„Das Tempo der Innovation verlangt schnellsten Transport“

 

Kirchliche Gruppe besuchte den Frankfurter Flughafen

Langsam fährt der Bus an den großen Paketen vorbei, die vor den Flugzeugen aufgetürmt sind. „Mehr als 4 Millionen Tonnen schlagen wir auf dem Frankfurter Flughafen pro Jahr um“, spricht die Leiterin des Besucherservice in ihr Mikrofon. Die Frachtpakete auf dem Flughafenvorfeld sind mit Netzen auf Paletten verzurrt. Die Flugzeuge haben keine Fenster, bei einem ist die Nase hochgeklappt. Sie kommen aus Südchina, aus Malaysia und den USA. „Anderthalb Stunden brauchen wir, um so eine Maschine umzuladen.“ Bei dem Ferrari und dem Lamborghini mit kuwaitischem Kennzeichen klicken die Fotoapparate. Staunend erfahren die 35 Besucher, dass hier täglich 250 Tonnen Frischeprodukte wie Fleisch, Gemüse und Fisch umgeladen werden, mehr als 100 Millionen Tiere jedes Jahr starten oder landen und bis zu 3.000 Rennpferde ankommen oder ihre Reise antreten.

Um die Mobilität von Waren und Menschen ging es bei einem Besuch des Frankfurter Flughafens, den Manfred Oschkinat vom Evangelischen Dekanat Kronberg organisiert hatte. „Nah bei den Menschen zu sein, ist die Aufgabe der Kirche.“ Damit meint der Referent für Gesellschaftliche Verantwortung nicht nur die Reisenden, „die hier durch die Zeit hasten“, sondern ebenso „alle, die im Umfeld dieses Flughafens leben“. Unter dem Motto „Wir machen Türen“ auf, organisiert Heike Miehe vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung solche Betriebsbesuche schon seit mehr als zehn Jahren. Damit wolle die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau den Dialog zwischen Kirche und Wirtschaft fördern. Beim Flughafenbesuch ging es um die Frage, wie sich die Fraport AG als Betreiber des größten Flughafens auf dem europäischen Kontinent gegenüber den wachsenden und sich wandelnden Herausforderungen an Mobilität und Flexibilität aufstellt. Fragen der Nachhaltigkeit, der Umweltverträglichkeit sowie der Zukunft der Mobilität wurden besprochen.

„Bereits in den 50er Jahren galt das Frankfurter Kreuz als beachtlicher Verkehrsknotenpunkt“ verglich Thomas Uber von der Unternehmenskommunikation der Fraport AG die damalige Beschaulichkeit mit heute, dem größten Mobilitätsknoten aus Schiene, Straße und Luftweg für Menschen und Waren in Hessen und ganz Deutschland. Die Zahl der Beschäftigten sei auf 78.000 angestiegen, die in 500 Unternehmen arbeiten.102 Flugbewegungen seien heute pro Stunde möglich. Man zähle jetzt 202 Millionen Passagiere. Diese könnten ohne Zwischenlandung 295 Ziele in 105 Ländern erreichen.

Uber beschrieb den Frankfurter Flughafen als zweitwichtigsten Umsteigeflughafen der Welt, aber die Konkurrenz aus Dubai und anderen Metropolen sei mächtig. Das größte Wachstum liege in Asien, wo immer mehr Passagiere transportiert würden. Sei der Frankfurter Flughafen immer unter den ersten zehn gewesen, läge er aktuell auf Platz zwölf bei den Passagierzahlen. Der Frachtanteil sei mit 4 Prozent noch recht bescheiden, aber das werde sich ändern. Er beschrieb wie die Teile eines iPhones per Luftfracht aus verschiedenen Ländern wie Japan, Deutschland, Korea und den USA zusammenkämen und dann das fertige Smartphone wieder auf dem Luftweg in alle Länder der Erde geschickt würde. „Das Tempo der Innovation verlangt schnellsten Transport.“

So beschrieb auch Flughafenseelsorgerin Ulrike Johanns den Frankfurter Flughafen als „Brennpunkt der zunehmenden Geschwindigkeit“. In der Kapelle im Abflugbereich B gelte dagegen die Regel der narrativen Zeit. „Wir unterstehen hier einer bestimmten Zeitform, einer Zeit die auf Dauer gestellt ist.“ Erstaunlich fänden es viele Besucher, dass gerade hier, wo es um Slots und den schnellen Wechsel gehe, die Zeit angehalten wird. Sie beschrieb die täglichen Mittagsgebete und die monatlichen Konzerte wie von den „Angels of Air“ oder der Lufthansa-Mitarbeiterin, die eine Sonate von Johann Sebastian Bach auf dem Cello spielt. Die Pfarrerin nannte die Predigtreihe „Atempause“, wo Lufthansa-Manager predigen. Jetzt plant sie ein Mittagessen mit Stille, das „Mahl der Ruhe“.

Pfarrer Hans A. Genthe
Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Kronberg

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Fotos: ZGV