Entschleunigung – und zwar schnell

Die große Transformation als Herausforderung für die Kirchen
und die
besondere Bedeutung des Faktors Zeit

von Dr. Brigitte Bertelmann
Referentin für Wirtschaft und Finanzpolitik im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung

Die mit der Massenproduktion in Fabriken notwendig gewordene Synchronisierung von Tages- und Arbeitsabläufen, die einmal als „die Moderne“ bezeichnet wurde, ist inzwischen weitgehend überholt.
In der globalisierten Welt ist der Umgang mit Zeit flexibler und individualisierter, auf den ersten Blick also freier geworden. Tatsächlich hat die Entgrenzung und Flexibilisierung uns aber nicht befreit von der Bewirtschaftung der Zeit. Der mit individueller Zeitsouveränität für die meisten Menschen verbundene Zwang zum Zeitmanagement und zum effizienten Umgang mit Zeit bedeutet keineswegs Zeitwohlstand. Für Familien, in Freundeskreisen und anderen sozialen Kontexten wird die Koordination der unterschiedlichen Zeitstrukturen zu einer zunehmenden Belastung. Die zunehmende Arbeitsdichte, der Zwang zum „Multi-tasking“ und zur ständigen Verfügbarkeit nicht nur in Unternehmen, die als „Global-Players“ in mehreren Zeitzonen unterwegs sind, führt bei immer mehr Menschen zu psychischer Erschöpfung bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Die Formel „Zeit ist Geld“ und das „Bepreisen“ von Zeiteinheiten reduziert Menschen und ihre Lebens- und Arbeitszeit auf Produktionsfaktoren, für die die Vorgabe gilt, genauso wie aus investiertem Kapital, möglichst viel „herauszuholen.“ …

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Die große Transformation als Herausforderung für die Kirchen
und die besondere Bedeutung des Faktors Zeit