Geschichten aus der Zukunft. Ein Gesellschaftsvertrag für Nachhaltigkeit

Wie kann die Welt für künftige Generationen erhalten bleiben? Unter dem Motto „Auf geht’s! Den Wandel gestalten“ gibt das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN praktische Tipps und Impulse für eine nachhaltige Gesellschaft.

Ein neuer Gesellschaftsvertrag muss her, einer der nicht nur das Verhältnis der Bürger untereinander regelt, wie das Jean-Jacques Rousseau im 18. Jahrhundert eingefordert hatte, sondern über das Verhältnis des Bürgers zur Natur müsse die heutige Gesellschaft einen Konsens herstellen. Darin waren sich die Podiumsteilnehmer der Auftaktveranstaltung zu „Auf geht’s! Den Wandel gestalten“ einig.

Neben Kirchenpräsident Dr. Volker Jung traten bei der Auftaktveranstaltung zu „Auf geht’s“ am 13. März im Gesellschaftshaus des Frankfurter Zoos auch die Ehrenvorsitzende des BUND Dr. Angelika Zahrnt, der Intendant des Schauspiels Frankfurt Oliver Reese sowie Konfliktforscherin Dr. Bettina Oppermann als Redner und Podiumsteilnehmer auf.
Link: Die Redebeiträge als Audiomitschnitte

Das Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN wird sich rund ein Jahr lang in mehr als 40 Veranstaltungen dem Thema Nachhaltigkeit widmen. Dazu gibt es Mitmachaktionen für Gruppen: Beispielsweise zum Bau von Nistkästen oder dem Anlegen von Bienenwiesen, Vorträge zum fairen Handel, spezielle Radioandachten zum Thema oder das Planspiel Eco-City für Jugendliche, das durch das Kirchengebiet auf Reisen geht.
Kultur der Verantwortung gefordert

Eine Umkehr, ein Wertewandel sei trotz aller bisherigen positiven Projekte der Umwelt- und Friedensarbeit noch nicht gelungen, stellt Angelika Zahrnt in ihrem Vortrag über die Geschichte des Begriffes der „Nachhaltigkeit“ fest. Nach wie vor gehen das Artensterben und der Klimawandel ungebremst voran. Nur eine neue ganzheitliche Kultur der Verantwortung in Politik und Wirtschaft könne einen Wandel hervorbringen. Global Denken aus der Zukunft heraus sei nunmehr nötig. Auch die Umweltverbände hätten in der Vergangenheit lernen müssen, dass die wesentlichen Probleme nicht ausschließlich in lokalen Projekten vor Ort gelöst werden können. Die Zusammenarbeit mit dem katholischen Hilfswerk Misereor habe ihr die Augen geöffnet für die globalen Zusammenhänge, so die Ehrenvorsitzende des BUND Angelika Zahrnt.
Christliche Werte geben Stabilität

Für Kirchenpräsident Dr. Volker Jung, der die Schirmherrschaft von „Auf geht’s! Den Wandel gestalten“ übernommen hat, ist es als Christ selbstverständlich, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen: „Wer Gott und seinen Nächsten lieben will, kann gesellschaftspolitische Fragen nicht außen vor lassen.“ Das galt bereits vor 500 Jahren, als Martin Luther dafür kämpfte, dass den Menschen Bildung nicht vorenthalten werde und die Obrigkeit nicht sich selbst, sondern den Menschen diene. Jung räumte ein, dass Veränderungsschübe – sowohl zu Luthers Zeit wie auch heute  – Konflikte bergen. Heutzutage erschwert durch eine globale Komponente, wie sie bei der Finanzkrise und den Klimawandel ganz offensichtlich sei. Mit Konflikten umzugehen, Veränderungen und den Wandel zu leben, falle den Menschen freilich schwer. Christliche Werte und die Einsicht, dass „Gottesdienst Leben ist und umgekehrt Leben auch Gottesdienst ist“ könnten den Menschen Stabilität geben. Die Evangelische Kirche unterstütze deshalb aus gutem Grund die Aktion für Nachhaltigkeit und den Diskurs um einen neuen Gesellschaftsvertrag.
Faust, der Anti-Held der Moderne

Landraub, Erschaffung des Künstlichen Menschen, globale Machtfantasien – Goethe hat gerade im zweiten Teil des „Faust“ den Anti-Helden der Moderne beschrieben. So jedenfalls sieht es der Frankfurter Schauspielintendant Oliver Reese. Mit Begeisterung hätte sich der im Pakt mit dem Teufel stehende Faust auch des Internets, Smartphones und Tablets bedient. Für Oliver Reese stehen die neuen Kommunikationsmittel auf einer Stufe mit der Pest im Mittelalter. „Wir brauchen Oasen der Rückbesinnung“ resümiert der 50-Jährige Theatermacher. Kultur braucht Zeit und besondere Orte, um wahrgenommen zu werden. Ein Bild, das im Museum hänge, ergreife den Betrachte wesentlich stärker als ein Foto aus dem Internet. Entschleunigung sei für ihn ein bedeutender Bestandteil einer Kultur der Nachhaltigkeit.

Erste Projekte gestartet
Nicht mit faustischem Ausmaß, aber konsequent dem Anspruch auf Nachhaltigkeit folgend, sind in Hessen und Nassau bereits die ersten Projekte gestartet. Eco-City, Repair-Cafés und ähnliche Projekte agieren zwar auf lokaler Ebene, aber gleichzeitig sind sie auch positive Geschichten aus einer Zukunft. Denn sie zeigen, wie ein neuer Gesellschaftsvertrag zwischen Bürger und Natur aussehen könnte.

Peter. W. Bernecker, Evangelisches Medienhaus, Frankfurt am Main

Fotos: Gessinger/Rausch