„Nicht Askese, sondern Verantwortung“

Ein Thema der Dekanatssynode Ried war die „öko-faire Beschaffung in der EKHN“. Die Dekanatssynode beschloss hierzu eine Selbstverpflichtung, mit der eine Empfehlung der Kirchensynode umgesetzt werden soll: So hatte das Parlament der EKHN bei der letzten Tagung im Herbst den Kirchengemeinden, der Verwaltung und den Einrichtungen nahgelegt, vor allem regionale, saisonale und öko-faire Produkte zu beziehen. „Bei den Kirchengemeinden im Ried gibt es dafür bereits eine hohe Sensibilität“, sagte Dekan Geil. So bietet die Dekanatsverwaltung den Gemeinden bereits seit längerem die Chance, fair gehandelten Kaffee zu günstigen Preisen zu beziehen. Diese positive Tendenz zeigt sich auch EKHN-weit: Nach Einschätzung von Gast-Referentin Maren Heincke vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN in Mainz nutzen bereits 20-30 Prozent der Kirchengemeinden in der EKHN fair gehandelten Kaffee.
Heincke machte zu Beginn ihres Vortrags deutlich: „Es geht beim Nachdenken über Ernährung nicht um Askese, sondern um Verantwortung.“ Fairness bei der Beschaffung von Nahrungsmitteln beziehe sich vor allem auf Produzenten im In- und Ausland. Sie berichtete, dass weltweit pro Tag geschätzt 24.000 Menschen an Hunger stürben. Die wöchentlichen Pro-Kopf-Ausgaben der Bevölkerungen aller Länder schwanken zwischen 1,5 und 400 Dollar. Je höher die Ausgaben, desto mehr Lebensmittel landen im Müll: Hierzulande seien dies rund 30%. Bereits durch angemessene Portionsgrößen und eine bessere Wertschätzung der Speisen könne dies deutlich reduziert werden. Ein weiteres Problem bei der Ernährung sei der hohe Fleischverbrauch mit durchschnittlich 1200 g pro Woche und Person in Deutschland. Männer benötigten aber nur die Hälfte davon, Frauen ein Viertel, so Heincke.
Problematisch sei auch, dass vor allem in den Industrieländern weniger regionale Produkte gekauft würden. Dabei seien diese frischer und ausgereifter, der Einkauf transparenter und die regionale Landwirtschaft werde gestärkt. Vor allem müsse nicht zu jeder Jahreszeit jedes Lebensmittel gekauft werden, konstatierte Heincke. Sie erklärte, dass es bei der Ernährung vor allem auf ausgewogene pflanzenbetonte Mischkost und auf gering verarbeitete Lebensmittel ankomme. „Je länger die Zutatenliste ist, desto schlechter ist die Qualität“, erklärte sie. Zukunftsfähige Ernährung beginne mit dem Wissen um globale Zusammenhänge und mit kleinen, eigenen Veränderungen, so die Referentin.
Christian Lechelt, Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Ried

Foto: Christian Lechelt

Bildunterschrift: Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Dekanatssynode Ried gab es Essen aus regionalen und saisonalen Produkten. Gekocht wurde unter Anleitung von Silvia Zerfaß, Hauswirtschaftsleiterin des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung (zweite von rechts).